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Die Frau dahinter

 

1965

geboren in Hanau

Auswanderung ins hessische Hinterland

Schullaufbahn

Einzelhandel

Heirat

Medizin

Zwischenstopp Marburg

Universität

Rückkehr ins erste hessische Dorf an der Lahn

Kind 1

Kind 2

BWL

Industrie und Marketing

Selbstständig als Lektorin u. Werbetexterin

2013

 

Der/das Tat-(W)Ort

 

Fragen | Antworten

1.

Wolltest du schon immer Lektorin werden, und wie kam es eigentlich dazu?

Geplant war das eigentlich nicht. Es hat sich zufällig ergeben, als ich Werbetextaufträge für einen Verlag übernahm und dabei auch mit dem Verlagslektorat in Berührung kam. Nachdem ich dort eine Weile mitarbeiten und mich mit dem Berufsbild vertraut machen konnte, fand ich Spaß daran und bin am Ball geblieben.

2.

Was gefällt dir an deinem Beruf und was gefällt dir nicht?

Vor allem die immer neue Herausforderung, gemeinsam mit einem Autor das Beste aus einem Text herauskitzeln zu dürfen. Außerdem trifft man auf spannende Menschen und tolle Ideen, die man in einem sehr frühen Stadium in die Hand bekommt, was sich schon ein wenig exklusiv anfühlt. Weniger mag ich den bürokratischen Kram, der mit der Selbstständigkeit einhergeht.

3.

Hast du auch schon negative Erfahrungen in deinem Job gemacht? Und wenn ja, wie sahen die aus? Ein konkretes Beispiel vielleicht, und was hast du daraus mitgekommen?

In meiner Anfangszeit war ein großes Problem die schlechte Zahlungsmoral, das ich allerdings bald ausgemerzt habe, da ich heute nur noch auf Vorkasse arbeite.

Ein Beispiel ist ein on-demand-publiziertes Buch. Ich habe es im Auftrag lektoriert und das Lektorat anschließend auch mit dem Autor besprochen, der hat danach ebenfalls noch massiv nachgearbeitet. Inhaltlich hat er leider die meisten meiner Ratschläge in den Wind geschossen, außerdem war er viel zu ungeduldig. Das Manuskript wurde im Hauruckverfahren gesetzt und layoutet, und dann war das Buch auch schon veröffentlicht, sodass ich keine Chance mehr hatte, wenigstens einen letzten Korrekturdurchgang zu machen. Stattdessen fand ich mich im Impressum wieder, und es dauerte nicht lange, da erhielt ich eine wenig amüsierte Leser-Mail, in der mir vorgeworfen wurde, schlampig gearbeitet zu haben. So etwas ist natürlich übel, und wie soll man sich da erklären? Mitgenommen habe ich daraus, dass ich in keinem selbst publizierten Buch mehr als Lektor genannt werden will, weil ich keinen Einfluss darauf habe, was anschließend damit noch geschieht oder wie der Autor mit kritischen Anmerkungen umgeht. Ich möchte einfach für solche Dinge nicht den Kopf hinhalten müssen.

4.

Wie stehst du allgemein zu der Entwicklung des Buchmarkts, dem Boom des E-Books, der Selfpublisher-Szene und all den damit verbundenen Möglichkeiten, die diese Veränderungen für Autoren mit sich bringen?

Es ist gut, dass sich eine neue Autorengeneration emanzipieren kann und Lesern damit ein riesiges Angebot zur Verfügung steht, auf das sie andernfalls keinen Zugriff hätten. Und es ist spannend zu beobachten, wie sich alles entwickelt und wohin es noch führen wird, auch wenn ich mich manchmal frage, wer all das nur konsumieren soll. Als ich anfing, war nicht einmal BoD ein Begriff, und Autoren, die ihre Bücher in Eigenregie veröffentlichen wollten, gingen zu Bezahlverlagen oder in Druckereien. Da hat sich also viel Positives getan, und ich hoffe, diese Entwicklung wird weiter gut verlaufen.

Mein Favorit ist und bleibt allerdings nach wie vor das gedruckte Buch, auch wenn ich häufig Gebrauch vom elektronischen Lesen mache. Schön zu wissen, dass man die Wahl hat.

5.

Welche Autoren kommen zu dir, für wen arbeitest du am liebsten und warum?

Zu mir kommen oft Autoren mit fertigen Manuskripten, die noch keinen Verlag haben und nun bessere Voraussetzungen für die Verlagssuche schaffen wollen oder die sich bewusst dafür entscheiden, das aktuelle Buch auf einem verlagsunabhängigen Weg ins Leben zu führen. Aber ich arbeite auch mit verlagsgebundenen Autoren, direkt für Verlage oder Übersetzer. Manchmal betreue ich sogar Buchprojekte von der ersten Idee an und begleite den Autor bei der Entwicklung.
Ich arbeite gerne für sogenannten Indies, weil sie meist enthusiastisch und kreative Grenzwanderungen möglich sind, da kein Dritter mitmischt oder bestimmte Verlagsvorgaben berücksichtigt werden müssen. Aber genauso gerne arbeite ich für Stammkunden bzw. Verlage, weil die Stabilität der Auftragslage ein nicht unwesentlicher Faktor ist, den ich durchaus zu schätzen weiß.

6.

Du orientierst dich bei deiner Honorarberechnung an den Empfehlungen des Verbands freier Lektorinnen und Lektoren. Was hältst du von Kollegen, die dir potenzielle Aufträge mit Schnäppchenpreisen wegschnappen, und wie erklärst du dich Autoren gegenüber, um deine Preise zu rechtfertigen?

Dumping-Anbieter sind auch in unserem Bereich eine Begleiterscheinung, die man einfach hinnehmen muss. Man kann auch nicht viel dagegen machen und muss sich auf den Verstand der angesprochenen Zielgruppe verlassen, die ja die Möglichkeiten hat, sich über Branchennormen zu informieren. Es ist kein Geheimnis, dass man in den allermeisten Fällen für wenig Geld auch nur wenig Leistung erwarten darf. Das wissen auch potenzielle Kunden, deshalb sind die eigenen Verluste, die man womöglich durch Billig-Lektoren erfährt, zu verschmerzen. Die "neutralisieren" sich erfahrungsgemäß früher oder später von selbst.

7.

Wahrscheinlich bist du nicht von allem, was du in die Hände bekommst, begeistert. Sagst du auch schon einmal Nein zu einem Auftrag, und was muss geschehen, damit du ein Manuskript ablehnst?

Als Lektor bin ich in erster Linie Profi. Das heißt, ich habe unvoreingenommen an einen Text heranzugehen, die Arbeit des Autors zu achten und meinen Auftrag gewissenhaft durchzuführen. Aber es kommt auch hin und wieder vor, dass ich die Hände über dem Kopf zusammenschlage oder mich ein Thema absolut nicht reizt. Ob ich mich in einem solchen Fall der Herausforderung stelle, hängt stark von der „Chemie“ zum Autor und vom Buchthema ab, mit dem ich arbeiten werde. Manchmal kann auch eine offensichtliche „Katastrophe“ den Reiz erst ausmachen, ein Projekt anzunehmen und die Ärmel hochzukrempeln.

8.

Hast du schon Bücher bearbeitet oder Textaufträge allgemein, mit denen du nicht in Verbindung gebracht werden willst oder die du nicht in deinen Referenzen ausweist, weil sie irgendwie negativ behaftet sind?

Abgesehen davon, dass ich nicht alles, was ich je gemacht habe, ausweisen kann, da es einerseits ein Platzproblem gäbe und andererseits vieles auch heute keine Aktualität mehr besitzt, gibt es sicher einzelne Fälle, die ich lieber verschweige. Das sind jedoch Ergebnisse, die auf die Beratungsresistenz des Autors zurückzuführen sind und für die ich nicht geradestehen möchte. Daneben gibt es auch einige Projekte (wenn ich bspw. als Ghostwriter engagiert war), die unter eine Verschwiegenheitsklausel fallen.

9.

Wer als Lektor arbeitet, der muss beruflich schon wahnsinnig viel lesen. Liest du eigentlich auch noch in deiner Freizeit, und wenn ja, wie viel und was?

Sicher lese ich. Allerdings nicht täglich. Monitorarbeit ist anstrengend für die Augen, sodass ich abends froh bin, wenn ich noch einige Konturen im Fernseher erkenne. Aber an den Wochenenden könnten schon mal je nach Dicke bis zu vier Bücher drin sein, die ich höre und/oder lese. Eines auf jeden Fall. Hauptsächlich Spannungsliteratur - ich bin ein bekennender Hardcorekonsument -, aber ich greife auch zwischendurch zu anderen Genres. Gerade lese ich bspw. mal wieder die Harry-Potter-Romane, parallel dazu ein forensisches und ein politisches Sachbuch.

 

10.

Nicht selten trifft man freiberufliche Lektoren als Partner von sogenannten Bezahlverlagen bzw. Druckkostenzuschussverlagen an. Arbeitest du auch für solche Verlage oder für Autoren, die in diesen Verlagen veröffentlichen?

Nein, für solche Verlage arbeite ich nicht und das habe ich auch nie getan. Ob ein Autor nach einer Zusammenarbeit zu einem solchen Verlag geht und dort publiziert, kann ich aber nicht beeinflussen. Einen Rat meinerseits wird er für eine solche Partnerschaft jedoch nicht erhalten. Mein Beratungstrend für das Danach geht eher in Richtung Book on Demand bzw. E-Book, wenn der klassische Weg keine Option ist.

11.

Du gehörst zu den wenigen Lektoren, die Homepagebesuchern ihren Arbeitsplatz bzw. ihr Homeoffice zeigen. Meist findet man nur simple Rotstiftgrafiken oder 0-8-15-Bilder von Büchern/Bibliotheken auf Lektoren-Homepages. Ist es dir wichtig, dass potenzielle Kunden sehen, wo und in welchem Ambiente du an ihren Texten arbeitest?

Mir ist es wichtig darzulegen, dass ich nicht aus einer Laune heraus mit Büchern zwischen schmutzigem Geschirr und Wäschebergen am Küchentisch „rum mache“, sondern dass ich dafür von Beginn an einen separaten Raum mit Tür nutze und das Ambiente auch angemessen ist. Man darf nicht vergessen: Textarbeit ist neben einer kreativen auch eine diskrete Angelegenheit. Ich glaube nicht, dass meinen Kunden der Gedanke gefallen würde, dass mein Laptop womöglich offen auf dem Esszimmertisch herumsteht, jeder x-beliebige Besucher im Manuskript lesen könnte oder mein Nachwuchs auf demselben Apparat mit Schokoladenfingern Ballerspiele spielt. Leider habe ich manche Kollegen schon genauso arbeiten gesehen. Da ich eben nicht so arbeite, sondern einen festen und professionell eingerichteten Arbeitsplatz habe, an dem außer mir auch niemand sitzt und Dummheiten macht oder herumschnüffeln kann, zeige ich das auch gerne.

 

12.

Was hältst du von sozialen Netzwerken, Weblogs, Foren und all den anderen virtuellen Möglichkeiten, um mit anderen (Kollegen, Verlagen, Kunden) in Kontakt zu treten, und wie nutzt du es?

Ich bin seit rund 13 Jahren online und habe wenig später mein erstes "Onlinetagebuch" (so hieß das damals noch) ins Leben gerufen, bevor ich das letzte noch aktive Weblog vor Kurzem und nach reiflicher Überlegung aufgegeben habe. Wenn ich eines in all den Jahren begriffen habe, dann, dass virtuelle Präsenz mehr Zeit erfordert, als ich heute noch bereit bin zu investieren. Deshalb betreibe ich im Augenblick nur noch einen Facebook-Account und einen wenig aktiven bei Twitter, von allen anderen Plattformen habe ich mich zurückgezogen. Ob dauerhaft, wird sich zeigen.

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